| Die
häufigsten Erkrankungen bei Kaninchen u. Meerschweinchen
sind Verdauungsstörungen, hervorgerufen durch eine über
längere Zeit nicht artgerechte Fütterung. Fragen Sie sich,
wie sich die Tiere unter natürlichen Lebensbedingungen
ernähren! In freier
Natur werden von Kaninchen Gräser, Kräuter und Blätter von
Gemüsepflanzen, also Rohfaser- und Zellulosereiches Futter
gefressen. Dagegen keine Getreidekörner, da diese nur dann
von den Tieren zu erreichen sind, wenn diese in der
Erntezeit auf den Boden gefallen sind. Solche Körner sind
auch viel zu Stärkereich und Zellulosearm.
Die Meerschweinchen leben
als Stammform in den grasreichen Hochebenen und Buschsteppen
der Anden bis zu Höhenlagen von 4000m. Dort sind die Gräser
sehr reich an Vitamin C. Von besonderer Bedeutung bei der
Fütterung beider Tierarten sind ihre anatomischen und
physiologischen Besonderheiten ihres Verdauungstraktes. Bei
beiden wachsen alle Zähne lebenslang. Viele Kinder wissen
gar nicht, dass die Backenzähne die wichtigsten sind. Das
Kaninchen hat insgesamt 28 und das Meerschwein 20 Zähne.
Eine ausreichende Zahnabnutzung erfolgt nur durch
rohfaserreiches Futter, das ein intensives Mahlen der
Backenzähne notwendig macht, d.h. Heu oder Wiesengras als
Grünfutter mit Ergänzung von abwechslungsreichem
Frischfutter, wie Blätter, Kräuter in Maßen, Gemüse und
Obst. Kaninchen u. Meerschweinchen fressen bis 80 mal am
Tag. Der Weitertransport des Mageninhaltes ist nur durch
ständigen Futternachschub möglich. Damit die Verdauung
funktioniert, muß der Darminhalt basisch sein. Dies geht
nur, wenn zellulosereiche Futtermittel verabreicht werden.
Bei zucker- und stärkereichen Futtermitteln (Getreide, Brot,
Bisquits) wird der Darminhalt sauer- dies geht nicht. Die
Folge ist ein Absterben der für die Verdauung wichtigsten
Darmflora und ein Überwuchern von unerwünschten Bakterien,
welche Zellulose nicht spalten können. Die Bedeutung des
Blinddarmkotes, der von den Tieren wieder aufgenommen wird,
ist sicher bekannt. Damit produzieren die Tiere alle für sie
notwendigen Nährstoffe selbst- aber auch nur wenn sie
täglich ständig fressen. Das Meerschweinchen ist dann nur
auf die Zufuhr von viel Vitamin D angewiesen. Dies geht als
genau abgestimmte Tropfen (nicht im Zoohandel) unterstützt
mit Paprika, Tomaten, Erdbeeren.
Sehen Sie sich nun die in
Fachgeschäften angebotenen Snacks an. Diese werden sehr gern
gefressen und darüber freuen sich nicht nur die Tiere,
sondern auch die Kinder - leider.
Alle diese “Dinger“ werden
sehr schnell zu leichtverdaulichen Zuckern umgebaut und
führen zu einem sauren Darmmilieu (basisch soll es sein).
Die darin enthaltenen Inhaltsstoffe können in der freien
Natur niemals von den Tieren aufgenommen werden.
Die hohe Akzeptanz (gern
fressen) von Seiten der Tiere darf aber niemals
gleichgesetzt werden mit einem artgerechten u. damit für das
Tier gesunden Futtermittel.
Was sind
die Folgen?
- Die Tiere werden
übergewichtig und mit der Zeit bewegungsunlustig.
- Sie haben chronischen
Durchfall-breiiger Kot-Fliegenmaden im Sommer.
- Stärke wird zu Zucker
abgebaut u. dieser durch Hefen vergoren. Die entstehenden
Gase können nicht entweichen, der Darm bläht auf, was zu
Bauchschmerzen führt (Trommelsucht)
- Aufgrund der fehlenden
Mahlbewegungen durch Körnerfutter ist der Zahnabrieb
ungenügend
- Die Zähne spießen in die
Zunge oder Backenschleimhaut. Die Tiere fressen wochenlang
weniger und plötzlich gar nicht mehr.
- In den stärkereichen
Körnern fehlt Kalzium. Durch den Kalziummangel kommt es zu
erworbenen Zahnfehlstellungen (gibt es auch angeboren)
Was sind
die Schlussfolgerungen?
Grundsätzlich liegen die
Argumente für das Körnerfutter auf Seiten des Tierhalters
und nicht auf Seiten der Tiere. Die völlig naturfremden
Futtermittel wie Milch- und Joghurtdrops können die Tiere
nicht verarbeiten und benötigen sie auch nicht. Die hohe
Kaufakzeptanz für diese Snacks liegt in dem Irrglauben des
Tierhalters, dass sie für das Heimtier ein ähnliches
kulinarisches Vergnügen darstellen, wie analoge Lebensmittel
für ihn. Er genießt die vermeintliche Gewissheit, mit seiner
ausgeprägten Tierliebe seinen Liebling etwas Gutes getan zu
haben.
Die artgerechte Fütterung
besteht bei beiden Tierarten darin, dass ein Grundfutter aus
vielfältigem Heu, Heupellets oder Wiesengras stets vorhanden
ist und dieses auch zur abwechslungsreichen Beschäftigung
der Tiere mit Frischfutter in Maßen ergänzt wird.
Beim Meerschweinchen muß
Vitamin C zugegeben werden.
Dr.med.vet. habil.W. Beuche |